Siedlungsnamen in der Sächsischen Schweiz

Ein äußerst interessantes Gebiet ist die Siedlunsgeschichte der Sächsischen Schweiz. Fragen wie: Woher kamen die Siedler des Elbsandsteingebirges?; Wann wurden die Flächen, Schluchten und Ebenheiten links- und rechtselbisch besiedelt?; Wie und auf welche Veranlassung ging die Besiedelung vor? und jede Menge weiterer Fragen, lassen uns in mittelalterliche Zeit zurückkehren. Da überlieferte Zeugnisse äußerst spärlich vorhanden sind, helfen einer genaueren Einordnung die Untersuchung der mundartlichen, namentlichen und kulturellen Besonderheiten des sächsisch - böhmischen Elbsandsteingebirges. In heutiger Zeit dürfte die mundartliche Unterscheidung, wie sie E. Walther in "Die Besiedlung der Sächsischen Schweiz durch die Deutschen" anspricht komplizierter geworden sein. Einleuchtender erscheint mir eine Untersuchung der Orts- und Flurnamen, der Sitten und Bräuche und des vorherrschenden architektonischen Stils der ländlichen Bebauungs- und Siedlungsstruktur. Das Elbsandsteingebirge dürfte dabei kein in sich einheitliches von einer vorherrschenden Siedlungsgruppe bestimmtes Gebiet sein. Eher dürfte es verschiedenen Einflüssen, vor allem aus dem Thüringischen, dem Erzgebirgischem, dem lausitzer Gebiet und den angrenzenden böhmischen Gebiet unterlegen sein. Orientieren wir uns zunächst an den Orts- und Flurnamen der Region. Wenn der Grundherr ein Dorf gründen wollte, so bestellte er für diesen Zweck einen Mann der mit Bauern aus dem Mutterland in das slawische Gebiet zog. Dieser Unterhändler und Führer der "Neu - Siedler" wurde "Locator" genannt und war gleichzeitig Oberhaupt der Neugründung. Vom Grundherrn, der meist nicht in der Neugründung wohnte erhielt der Locator die niedere Gerichtsbarkeit über die Bewohner des neuen Dorfes. Wodurch er auch oft den Namen Richter trug. Da ihm gleichzeitig einige Hufen abgabenfrei als Erblehen zugeteilt wurden, hieß er auch Erb- oder Lehnrichter. Oft war damit die Schankberechtigung verbunden, deshalb wurde im Erbgericht auch die Gastwirtschaft betrieben. Heute läßt der Begriff Erbgericht zuerst auf eine Gastwirtschaft schließen und erst im Nachfragen historischer Zusammenhänge gelangt man zum eigentlichen Ausgangspunkt der Gerichtsbarkeit. Nach diesem Locator oder dem eigentlichen Grundherrn bekam die Neusiedlung in den meisten Fällen seinen Namen. Zur Namensgebung trugen aber auch die Lage oder die hauptsächliche industrielle oder kirchliche Nutzung des Gebietes bei. Dabei ist es interessant die Begriffsherkunft zu bestimmen um auf die Besiedlung zu schließen.

(Quelle: Emil Walther; "Die Besiedlung der Sächsischen Schweiz durch die Deutschen")

Holger Natusch

Im Folgenden eine Auswahl von Orts- und Flurnamen sowie deren Zuordnung:

Ort

Endung  /  Zuordnung

Herkunft  von

 

- dorf / Nach "Locator" 

 

Arnsdorf (Herrnskretschen)

Dorf des Arnold 

 

Berthelsdorf (Neustadt)

Dorf des Berthold

1432 Bertilsdorf

Binsdorf (Tetschen)

Dorf der (wschl.) Bünaus

Adelsgeschlecht im 17.Jh. Grundherr

Burkersdorf (Lang-; Hoch-)

Dorf des Burkhard

 

Cunnersdorf (Hohnstein)

Dorf des Konrad

1430 Kunerstorff 

Cunnersdorf (Königstein)

Dorf des Konrad

1379 Kunradsdorf

Cunnersdorf (Pirna)

Dorf des Konrad

1352 Conrisdorf 

Cunnersdorf (Schluckenau)

Dorf des Konrad

 

Elbersdorf (a.d. Wesenitz) 

Dorf des Elber, Alber 

1412 Elbistorff, 1486 Elbersdorff, 1555 Albersdorff 

Erdmannsdorf (Gottleuba)

Dorf des Erdmann 

Heute Wüstung, 1206 Ertmaresdorf 

Gersdorf (Berggießhübel)

Dorf des Gerhard 

1299 Gerhardisdorf, 1377 Gerhartsdorff 

Goßdorf (Hohnstein)

Dorf des Goßmann

1445 Goßmannstorff 

Hainersdorf (Sebnitz) (Amts-,Hof-)

Dorf des Heinrich 

Amtshainersdorf: 1433 Heynerstorff by der Sebenicz; 1456 Heynrichstorff; Hofhainersdorf: 1785 Neu Hennersdorf Hofhainersdorf, weil die Häuser des Ortes im 18. Jh. Auf dem Grund und Boden des Hofes (d.i. des Rittergutes) von Amtshainersdorf errichtet wurden und deshalb dem Besitzer des Hofes zinsten, der schriftfähig war, d.h. die Verordnungen des Landesherrn unmittelbar von der kurfürstlichen Kanzlei und nicht vom Amte erhielt. Amtshainersdorf dagegen wurde von den Gütern gebildet, die dem Amt Hohnstein zinsten.

Hennersdorf (Langen-, Klein-)

Dorf des Heinrich

Langenhennersdorf: 1356 Henriciuilla, 1379 Heinrichsdorff, 1537 Lange Heinersdorff, Kleinhennersdorf: 1439 das Wyndesche Heynersdorff, 1451 Heinrichstorf

Hellendorf (Gottleuba)

Dorf des Held (Personenname) 

1379 Heldisdorf 

Helmsdorf (Stolpen)

Dorf des Helwig 

1247 Helwigesdorf 

Hermsdorf (Königstein)

Dorf des Hermann 

1410 Hermansdorff 

Hinterhermsdorf (Sebnitz) 

Dorf des Hermann 

1445 Hermanstorff, 1468 Hinderhermanstorf 

Krumhermsdorf (Neustadt)

Dorf des Hermann  

1432 Hermansdorff, 1468 Kromen Hermanstorf; "Krum" nach der Krümmung des Dorfbaches, dessen Windungen sich die Gehöfte anschmiegen 

Hielgersdorf (in Böhmen)

Dorf des Hildger, Hildiger 

1472 Hilgirstorff 

Johnsdorf (am Rosenberg)

Dorf des Jahn (Abk. für Johannes) 

 

Koppelsdorf (OT von Papstdorf jetzt OT von Gohrisch)

Dorf des Gottebald (d.i. des Gotteskühnen) 

1438 Koppelstorff (Gottebaldsdorf, Gobaldsdorf, Kobaldsdorf, Koppelsdorf) 

Lohsdorf (Hohnstein)

Dorf des Ludwig 

1445 Ludwigstorff, 1446 Lodwigsdorff, Ludwygesdorf 

Ludwigsdörfel (OT von Hainspach)

Dorf des Ludwig 

 

Ludwigsdorf oder Luschdorf (Wüstung an der Polenz bei Heeselicht)

Dorf des Ludwig 

 

Margarethendorf (Obereinsiedel)

Dorf der Margarethe 

Gräfin Margarethe Slawate auf Hainspach, die den Ort um 1667 gründete 

Maxdorf (Bodenbach)

Dorf des Maximilian 

Graf Maximilian Thun auf Tetschen, der das Dorf 1671 anlegte 

Mühlsdorf (Lohmen) 

Vielleicht Dorf des Milan 

 

Nikolsdorf (Königstein)

Dorf des Nikolaus 

1445 villa Nickelstorff 

Nixdorf (in Böhmen)

Dorf des Nikolaus 

1410 Nickilstorff, 1445 Nickelstorff 

Ottendorf (Sebnitz)

Dorf des Otto 

1446 Othendorff 

Ottendorf (Neustadt)

Dorf des Otto 

 

Ottendorf (Pirna)

Dorf des Otto 

 

Porschdorf (Schandau)

Dorf des Porsche (Koseform von Burkhard) 

 

Porschendorf (Lohmen)

 Dorf des Porsche (Koseform von Burkhard) 

 

Rathmannsdorf (Schandau)

Dorf des Rathmann 

1445 Rademstorff, 1446 Rademsdorff, Radmensdorff 

Reinhardtsdorf (Schandau)

Dorf des Reinhard 

1445 Reymerstorff 

Rennersdorf (Stolpen)

Dorf des Reinhard 

1411 Reynhartsdorff 

Rennersdorf (Dittersbach in Böhmen)

Dorf des Reinhard  

 

Röhrsdorf (Hainspach in Böhmen)

Dorf des Rüdiger 

1495 Rorschdorff 

Dürrröhrsdorf (Stolpen)

Dorf des Rüdiger 

1247 Rüdegersdorf, 1545 Dhur Rurßdorff, "Dürr" kommt vielleicht von der Wasserarmut des Dorfbaches, des Doberbachs; möglicherweise aber auch von "Dorn" (Gestrüpp) ableitbar 

Röthendorf (Wüstung bei Stolpen)

Dorf des Reuto 

1262 Reutendorph 

Rottwerndorf (Pirna)

Dorf des Ratiber 

1357 Rateberndorf (slawischer Name, aber deutsche Gründung) 

Rückersdorf (Neustadt)

Dorf des Rückhard 

 

Salmdorf (Nixdorf)

Dorf des Grafen Salm

Graf Salm auf Hainspach gründete 1717 den Ort 

Stimmersdorf (am Rosenberg)

Dorf des Stimmhari(?) 

1446 Stymmersdorff 

Thomasdorf (Nixdorf)

Dorf des Thomas 

1717 gegründet, der herrschaftliche Gasthof wurde 1723/24 erbaut 

Thürmsdorf (Königstein)

Dorf des Thiermann 

1420 Termestorf 

Ulbersdorf (Sebnitz)

Dorf des Ulbricht 

 

Walthersdorf (Schandau)

Dorf des Walter 

 

Waitzdorf (Hohnstein)

Dorf des Waitzmann 

1445 Waczimstorff, 1446 Weczemsdorff, Waczemsdorf 

Wehrsdorf (Steinigtwolmsdorf) 

Dorf des Wehrmann

 

Wilschdorf (Stolpen)

Kann Dorf des Wieland sein (wie Wilsdruff)

1351 Wilsdorf, 1437 Wilstorff,Wilßdorf,1513 Wylsdorff, daneben aber auch die Formen Wilzdorf 1351, Wilcztorff 1431,Wiltzsdorf 1378, Wiltzschdorff 1559, Wilzschdorff 1437, Wilschdorf 1586/87 

Wolmsdorf (Langen-, Steinigt-)

Dorf des Wolfram

Langenwolmsdorf 1232 Volueramesdorf 

Wölmsdorf (in Böhmen)

Dorf des Willmann 

1410 Willemesdorff,1445 Willimstorff, 1451 Wilmestorff 

 

 - dorf / nach Zeit und Lage zum Hauptort 

 

Altendorf (Schandau)

 Altes Dorf

1445 Aldendorff; Meiche schreibt dazu: "Oberhalb Schandaus liegt das Kiefericht oder der Schloßberg, im Volksmunde Schomberg genannt, d.i. die mundartliche Bezeichnung für Schönberg. Heute noch stehen hier die Ruinen der einstigen Elbwarte. Altendorf  bildete ursprünglich das Zubehör Schönbergs. Es liegt mit diesem etwa auf gleicher Seehöhe. Seine Fluren grenzen mit der Ebenheit, die sich nordöstliche an die alte Burgstätte anschließt. Wahrscheinlich lagen hier einst die unmittelbar zum Sitze Schönberg gehörigen Felder, die später in die Unkultur des Waldes zurücksanken.Die Handfröner des Gutsherrn auf dem Schönberge dürften sich an dem Nordwestabhange des Schloßberges, am sogen. Zauchen- oder Zaukengraben, angesiedelt haben, der seit lngem als der älteste Teil Schandaus angesehen wird. Altendorf könnte seinen Namen also mit Bezug auf die Neugründung im Thale führen."

Mittelndorf (Schandau)

Neues Dorf nach der Lage zwischen Lichtenhain und Altendorf  an der Hohen Straße

1446 Mitteldorf, Mytelsdorff 

Naundorf (Struppen)

Neues Dorf 

1420 Nuwendorff 

Neundorf (Pirna)

Neues Dorf 

 

Neudorf (OT von Hinterhermsdorf)

Neues Dorf  

 

Neudörfel (Obereinsiedel)

Neues Dorf  

1446 Newedorffel 

Neudörfel (Stolpen OT Rennersdorf)

Neues Dorf  

 

Rosendorf (am Rosenberg)

Schwer zu erklären, da "Rosen" nicht immer die entsprechende Blume bedeutet . Es kann auch von Roß oder rösten abstammen oder slawischen Ursprungs sein

 

-stadt / ...

 

Altstadt (Stolpen)

Anstelle der Alten Stadt

1357 by der Aldin stad (d.i. die Stelle des zerstörten ersten Ortes Jochgrim)

Neustadt

 

1333 Niwenstat (d.i. die neue Stadt der Freiberger Bergleute, die den Ort gründeten - ihre alte Stadt war Freiberg -

Halbestadt (OT Königstein)

Die rechtselbische Hälfte der Stadt

1592/93 uf der Halbestadt

Seeligstadt (Stolpen)

Stätte des Selingo

1223 Selingenstat

 

-walde /...

Siedlungen wurden von den Bauern in den Wald gerodet (Gründungen aus wilder Wurzel) meist nach Locator benannt

Burkhardswalde (Pirna)

Im Walde Burghards

1400 Burgharczwalde

Friedrichswalde (Pirna)

Im Walde Friedrichs

 

Hertigswalde (Sebnitz)

Im Walde Hartigs oder Hertigs

1446 Hertewigswalde, 1451 Hertigiswalde

Königswald (Bodenbach)

Im Walde des Königs (von Böhmen)

 

Peterswalde (in Böhmen)

Im Walde Peters

 

Rugiswalde (Neustadt)

Im Walde Rüdigers

1446 Rudigeswalde einmal erscheint auch die Namensform Rudolfswalde

Streckenwald (in Böhmen)

Im Wald des Strecko

 

Uttewalde (Wehlen)

Im Walde Ottos

 

Rathewalde

Im Walde der zum Rathen (d.i. zur Burg Rathen) gehört

 

Schönwald (in Böhmen)

Im schönen Wald

 

 

Besonderheiten

 

Neu-Grafenwalde (Schluckenau)

 

1730 von Graf Alois Harrach, Besitzer der Herrschaft Schluckenau gegründet

Auch die Dörfer: Herren-, Grafen-, Fürsten-, Königs- und Kaiserswalde

 

 

 

-hain / .....

Gründungen am Walde

Leupoldishain (Königstein)

Im Haine des Leuthold auch Im Haine des Leupold

1379 Leuchholdshayn, aber wohl Leutholdshayn zu lesen: 1445 Lutelshain, 1586/87 Leipolßhain, 1619 Leupoldshayn

Stolzenhain (am Krippenbach)

Im Haine des Stolze (Personenname)

Heute Wüstung

Ringenhain ((Oberneukirch)

Im Haine des Ringo (Abk. von Ringolt,Ringhard, Ringmann)

 

Königshain (Schluckenau)

Im Haine des Königs (von Böhmen)

1716 gegründet

Lichtenhain (Sebnitz)

Ort auf einer Lichtung im Hain

1411 Lichtenhain,1430 Lichtinhayn, 1446 Lichtenhayne (ob die Lichtung eine natürliche oder künstliche war läßt sich nicht sagen)

Rosenhain (Schluckenau)

 

Für Meiche mit der slawischen villa Rocina gleichbedeutend (manche sächsische "haine" sind slawischen Ursprungs)

 

Besonderheiten

 

Hainspach

Wahrscheinlich nicht nur "Wald" sondern die alte Bedeutung "Hag" ; "eingehegter Ort", "Verhau"

Der Name ist von dem Bach der die Siedlung durchfließt und der auf alten Karten Hainbach heißt, auf den Ort übertragen worden. Dieses Flüßchen entspringt aber dem noch heute (1930) die Landesgrenze bildenden Walde zwischen Sohland und Röhrsdorf, der an und für sich schon eine Sperre für den Verkehr bedeutete, dessen Wege aber in Zeiten der Gefahr noch durch gefällte Bäume "verhauen" werden konnte.

Heeselicht (Hohnstein)

Im Häselicht

Haselbusch - gebildet wie Tännicht, Kiefericht, Erlicht, Lindicht usw.

Raum (Königstein)

Wald, Gestrüpp und Steine mußten "weggeräumt" werden um Platz zu schaffen

1657 Raume, vgl. Sebnitzer, Ottendorfer, Saupsdorfer, Hinterhermsdorfer Räumicht

Bärreute (OT von Porschendorf)

Die Rodung der Bayern

1398 Beierrute, 1486 Beyerreuth

 

-bach / ...

Siedlungen die am fließenden Wasser angelegt wurden

Bodenbach a.d.E.

 

Nach Meiche nach dem Bach benannt der oberhalb Eulas entspringtund in Tetschen gegenüber in die Elbe mündet (Ob in dem Grundwort "Boden", "Grund","Ebene" enthalten ist oder ein alter Personenname Bodam, Bodman, [wie in Bodensee, früher Bodmansee], läßt sich nicht sagen. Die Tschen nennen den Ort Podmokly, was einen vom Wasser unterhölten Ort bedeuten soll.)

Dittersbach (Hohenleipa in Böhmen)

Am Bache Dittrichs

Dytherichspach

Dittersbach (Stolpen)

Am Bache Dittrichs

1299 Ditterichspach

Hartmannsbach (Gottleuba)

Am Bache Hartmanns

1412 Hartmannspach

Markersbach (Gottleuba)

Am Bache Marquards

1363 Marquardi villa

Fischbach (Stolpen)

Am fischreichen Bach

1223 Vispach

Hainsbach (in Böhmen)

Am Hainbach

 

Lauterbach (Stolpen)

Am lautern, klaren reinen Bach

1262 Lutabach, 1543 Lautherbach (die deutsche Form für das benachbarte slawische Bühlau = Weißbach)

Schönbach (Sebnitz)

Am schönen Bach

 

 

Besonderheiten

 

Kohlmühle (Sebnitztal zu Goßdorf)

 

Nach der am Ende des 16. Jh. Erbauten alten Kohlmühle benannt, die am "Kohlgraben". Einem Nebenflüßchen der Sebnitz, liegt, an dem früher "gekohlt" wurde, d.h. an dem man Holzkohlen brannte (Vgl. den Kohlberg bei Pirna, den Kohlbornstein bei Krippen und die zahlreichen Kohlichte in der Sächsischen Schweiz)

 

Besonderheiten mit Endungen auf - a oder -au

Die Endungen a und au kommen von dem ahd. Aha = lateinisch aqua = Wasser - z.B. Schöna, Schandau, Heidenau, Pirna (Die Bedeutung gabelt sich aber dergestalt, daß mit "au" ein wasserreiches Wiesenland mit "a" das Wasser selbst bezeichnet wurde, wie es noch in den längeren Formen "ach" und "ache" vorkommt - z.B. Salzach, Wertach, Eisenach, Eisack = Eisach usw.)

Schöna (Schandau)

 

Gleichbedeutend mit Schönau (1451 Schonaw)

Heidenau (Pirna)

In der Aue des Heide (ein Name der mehrfach unter den Burggrafen von Dohna vorkommt)

 

Reichenau

Die Aue des Reicho

 

 

 

Bühlau (Stolpen), Ostrau, Lobenau, Schluckenausind Slawisch - Schandau warscheinlich auch

Strand (Rathen)

Nach der Lage am Strand der Elbe

 

Wendischfähre

 

1443 der Wendischen vehre, hier setzten die Lausitzer Wenden, die nach Papstdorf wallfahrten über die Elbe

Zwiesel (Berggießhübel)

Nach der Flußgabel (Zusammenfluß von Gottleuba und Bahra)

Zwiesel = die durch Zweiteilung eines Gegenstandes entstehende Gabel; Astgabel; Flußgabel; Weggabel usw.

 

Nach Bergen

 

Ehrenberg (Hohnstein)

Am Berge des Ero

1427 Irrenbergk, 1445 Erinberg, Ernberg, 1525 Ehrenbergk

Ehrenberg (Rumburg)

Am Berge des Ero

 

Johannesberg (am Pirsken)

Am Berge des Johannes

In alter Zeit soll es "Armenleutenruh" geheißen haben

Hohnstein

Hoher Stein

1333 territorium Hohnsteinense, 1353 castrum Hohenstain von der Burg auf die Siedlung am Fuße übergegangen

Königstein

Stein des Königs (von Böhmen)

1223 lapis regis, 1321 Stayn, 1379 Kunigstayn

Reichstein (Königstein)

Am Stein des Reicho (d.i. des Mächtigen)

 

 

Besonderheiten

 

Wolfsberg (bei Zeidler)

 

Unklar ob vom Wolfsberg, vom Raubtier oder vomNamen des Besitzers

 

-leiten / ...

z.B. Elbleiten bei Binsdorf und Kamnitzleiten am Rosenberg (Das Wort stammt vom ahd. Hlita, mhd. Lite ab und hat die Bedeutung Berghang, Berglehme - vergl. Elbleite und Vieleite bei Pirna, die Kirchleiten bei Königstein, die auf dem Grund und Boden der Stadtkirche lagen, die Haselleite und die Weinleite in Sebnitz usw.)

 

Besonderheiten

 

Ebenheiten (Lilienstein und Pirna)

Auf den ebenen Hochflächen des gebirges gelegen

 

Hemmhübel (bei Zeidler)

Vom Hemmschuh für die Fuhrwerke

Auf Grund der Steilheit der Straßen mußte der Hübel = Hemmschuh am Wagen gebraucht werden

 

Nach Thal benannt

 

Franzthal (OT von Wölmsdorf in Böhmen)

 

In alten Zeiten Hofeleiten

Karolinsthal (Obereinsiedel)

Nach Gräfin Karoline von Salm-Reifferscheidt auf Hainspach

1750 von der Gräfin gegründet

 

Besonderheiten: -grund

 

Nieder-, Mittel- und Obergrund

Nach der Lage im tief eingeschnittenen Elbtal

 

Ölsengrund

Nach der Lage im Gottleubatal

 

 

 

Ob das Grundwort in Liebetal, Mocketal oder Rosental das deutsche Tal oder das slawische dol oder tyl ist, kann nicht sicher entschieden werden

Plan (Rathmannsdorf)

Nach der Bodengestalt

Ziehen sich im Gegensatz zu den Mutterorten im Tale hin (vergl. Auch Pläne = OT von Porschdorf bei Schandau / Pläne = mundartlich Nebenform von Plan = Plan = flaches, ebenes Land)

 

Nach der industriellen Tätigkeit

Vor allem durch Bergbau und Eisenhüttenbetrieb

Berggießhübel

Der Hübel wo (Eisen) gegossen wird

1450 Gißhobel, 1539 zum Gußhubel, 1554 aufm Berg Gishubel

Kleingießhübel

Der Hübel wo (Eisen) gegossen wird

1379 Gizhobel, um 1586 Gueß huebelichen,zum kleinen Gießhübel

Hütten (Königstein) und Khaa

Von Kaue (d.i. das Schachthäuschen)

 

 

Kirchlichen Ursprunges

 

Einsiedel

 

1223 locus ubi mansit antiquitus heremita; 1446 Obir- und Nyder-Einczidel (ist der Ort, wo einst am Südostfuße des Obereinsiedler Spitzberges die Klause eines Eremiten stand - Obereinsiedel hat in sein Wappen einen Einsiedler neben den Spitzberg aufgenommen)

Pfaffendorf (Königstein)

 

1437/38 Pfaffindorf (führte seinen Namen früher mit Recht, da es des Pfaffen von Königstein Dorf war; denn Geschoß und Zinse des Ortes bildeten ehemals das Diensteinkommen des Pfarrers von Königstein)

Krippen

 

1379 Krippein, 1389 Crippin, Wende des 15. Jh. Zwr Krippe (hat seinen Namen wahrscheinlich nach einem Kirchlein zur Krippe -Jesu_ erhalten, um das sich eine Siedlung entwickelte)

Eiland (am Hohen Schneeberg)

 

Bedeutet wohl "Elend"

Gottleuba

 

1363 Cotlauia, Gotlauia, 1379 Gotleeb,1381Gotlebe = Gottleben, d.i. Wohnstätte eines Gotto (Abk. von Gottfried, Gotthard, Gottwald)

Sohland

 

Salland, d.i. ein freies, nicht zinsbares erbliches Land; also Herrenland (vergl. Den Flurnamen die "Saalhäuser" bei Sebnitz)

 

Besonderheiten

 

Vogelgesang

 

Neueren Ursprungs - in alter Zeit hieß der Ort auf slawisch Zinzerling, 1555 / 56 wird Obervogelgesang wegen seiner Lage am Fuße der gleichnamigen Felsengruppe "Konnigsnase" = Königsnase, genannt, 1595 "Vogelgsangk, sonsten unter des Königs Nase genennet"

Zeichen (an der Elbe)

 

Ehemals "im Zeichen", heißt so nach einem Strommal (Strohwisch an Stange oder einem anderen), das den Schiffern die Fahrrinne im Flusse anzeigte

Zeidler (Nixdorf)

 

1445 Czeydeler, 1451 Zeydeler, kommt von dem deutschen Worte "Zeidel" her, d.i. die wilde Imme, die Waldbiene. Um die Hütte eines Bienenpflegers (Zeidlers) entwickelte sich der erwähnte Ort

 

Die in der obigen Tabelle aufgelisteten Herleitungen sind dem Bande von Emil Walther, "Die Besiedlung der Sächsischen Schweiz durch die Deutschen"; Buchdruckerei Wilhelm Volkmann; Dresden_A, Dürerstraße 15; 1927; entnommen

Holger Natusch